Irish Heat – Wohin die Liebe dich führt

Leseprobe

Callahan

»Hi, James«, begrüße ich den Chefarzt Dr. Murphy des Mater Hospital in Dublin, trete in sein Büro und setze mich an den Besprechungstisch. »Das letzte Mal war dein Refugium dunkler. Frische Farbe an den Wänden?«
Er nickt zufrieden. »Nicht nur das. Meine neue Sekretärin hat sich viel Mühe gegeben, auch mit entsprechendem Mobiliar alles hell und freundlich zu gestalten. Aber kommen wir am besten gleich zur Sache, Cal. Du bist ja jetzt kein Assistenzarzt mehr, und ich bin, wie du weißt, mit deiner Arbeit äußerst zufrieden.« Er legt eine Pause ein, lächelt und lehnt sich im Chefsessel zurück. »Was hältst du davon, stellvertretender Chefarzt zu werden?«
Im darauffolgenden Schweigen kann man Miss Burgh im Nebenzimmer telefonieren hören. Auf der Stelle schießen mir unzählige Pro und Kontra bezüglich des Jobs in den Sinn. Ich kann mich unmöglich sofort entscheiden.
»James …«, beginne ich etwas zögerlich, beuge mich vor und verschränke die Finger ineinander. »Du erwartest wahrscheinlich eine andere Antwort von mir, aber ich muss darüber erst nachdenken.«
»Nachdenken? Doctor Callahan O’Keefe, bist du dir im Klaren darüber, dass so ein Jobangebot wahrscheinlicher ist als ein Lottogewinn?«
»Natürlich. Und ich weiß auch, dass dir jeder Einzelne meiner Kollegen die Füße küssen und auf die Suche nach einem neuen Wohndomizil mit parkähnlichem Garten gehen würde, aber …«
»Stimmt auffallend, Cal. Du könntest prinzipiell platzen vor Stolz, mit mir als Präzisionsmaschine und genialem Diagnosearzt zusammenzuarbeiten, und mehr noch, meine Nachfolge anzutreten. Wobei Letzteres wahrscheinlich noch sehr viele Jahre dauern wird. Kleiner Scherz am Rande. Dein Gehalt würde sich vervielfachen.« Er hebt die Hände. »Aber gut, wie du meinst. Denk drüber nach bis Ende der Woche.«
Murphy ist ein fantastischer Arzt und menschlich ganz okay, aber er hört sich selbst gern reden – vornehmlich über sich selbst.
»Gib mir zwei Wochen. Ich bin morgen bei dem Kongress in Edinburgh und anschließend trete ich meinen Urlaub an.«
»Kongress? Urlaub?«
»Wo hast du nur deinen Kopf, James? Du hast mich zu dem Kongress angemeldet. Vor- und Nachteile minimalinvasiver Techniken in der muskuloskelettalen Chirurgie. Erinnerst du dich?«
»Ja, dunkel«, gibt er zerknirscht zu. »Deinen Urlaub allerdings …« Er nimmt die Brille ab und kratzt sich am Hinterkopf.
»… hast du schon vor drei Monaten genehmigt. Ich fliege von Edinburgh direkt weiter. Ich bin Trauzeuge. Stornierung ausgeschlossen. Klingelts?«
»Eben … Ja. Das hatte ich nicht mehr auf dem Schirm. Nun, dann wünsche ich dir …«
Plötzlich geht die Tür auf und Fia, eine meiner Kolleginnen steckt den Kopf herein. »Oh, sorry, ich dachte, ich bin schon dran mit dem Mitarbeitergespräch.«
Sie sieht heute wieder verdammt sexy aus in ihrem Arztkittel. Sofort bekomme ich Lust auf eine kleine Nummer mit ihr. Zur Entspannung. Zum Glück tickt sie genauso wie ich. An einer festen Beziehung ist sie nicht interessiert.
James steht auf. »Kommen Sie rein, Miss Daly, wir sind hier fertig.«
Ich komme der indirekten Aufforderung nach und stehe auf. »Ich sage dann nach meiner Rückkehr Bescheid, James. Sollte sich inzwischen jemand anderer finden, ist das für mich in Ordnung.«
Bevor ich zur Tür gehe, sehe ich noch, wie James verwundert die Brauen hochzieht.
Beim Hinausgehen haucht mir Fia zu, man könne sich in einer Stunde im Park treffen, hinter den mannshohen Ligusterhecken.
»Freu mich drauf«, flüstere ich. Allein die Vorstellung, sie zwischen den Hecken von hinten zu vernaschen und dabei keine Geräusche zu machen, erregt mich enorm. Das Verbotene hat immer seinen Reiz.
Auf dem Weg in die Station eilt eine Krankenschwester auf mich zu. Die gute May ist schon ewig hier, steht kurz vor der Rente und ist die Perle der Abteilung.
»Dr. O’Keefe! Sie schickt der Himmel! Mr Welsh auf der Dreizehn verlangt nach dem Chefarzt. Der Chef ist aber heute nicht abkömmlich wegen der Personalgespräche. Und da es ja kein Notfall ist, dachte ich, Sie könnten vielleicht …?«
Insgeheim verdrehe ich die Augen. Welsh ist ein vermögender Unternehmer, Privatpatient und meint, die Welt dreht sich nur um ihn. »Was hat er denn, der gute Mann?«
»Gastritis.«
»Akut?«
»Nein, ist schon wieder am Abklingen, aber er …« Sie blickt mich Hilfe suchend an.
»Verstehe, er hat den Finger auf den Klingelknopf getackert.«
»Sie sehen nach ihm?«
»Natürlich.«
Kurz darauf klopfe ich an die Tür von Zimmer dreizehn und trete noch vor dem barschen »Wer ist da!?« ein.
»Guten Tag, Mr Welsh. Ich bin Dr O’Keefe, wie kann ich helfen?« Scheinbar ungerührt werfe ich einen Blick auf die Patientenakte, die am Fußende des Bettes hängt.
»Was soll der Scheiß?! SIE können mir definitiv nicht helfen!«, fährt er mich mit der Impulskontrolle eines Vorschülers an und setzt sich dabei ruckartig im Bett auf. »Wo ist Doktor Murphy? Ich habe nicht nach dem Adjutanten verlangt, sondern den Chefarzt rufen lassen! Aber wenn Sie schon mal da sind, können Sie mir auch den Sekt geben, der auf dem Tisch steht. Da vorne. Der Sekt. Kleine Flasche. Worauf warten Sie?«
Es kostet mich enorme Überwindung, ihm nicht auf der Stelle zu sagen, was ich von Menschen wie ihm halte.
»Mr Welsh, wie ich Ihrer Krankenakte entnehmen kann, haben Sie lediglich eine leichte Magenschleimhautentzündung und sind auf dem Weg der Besserung. Seien Sie froh, dass Ihnen weder ein Bein fehlt oder eine Blutvergiftung Ihre Organe befällt«, erwidere ich steif und nehme die Sektflasche. »Schonkost, kein Sekt. Die nehme ich mal lieber mit. Und Sie sollten sich beruhigen, Aufregung schlägt auf den Magen.«
Damit verlasse ich das Zimmer und beschließe, nach einer älteren Dame zu sehen, die vorgestern eine Gallenoperation hatte. Kassenpatientin. Sie wurde auf den letzten Drücker als Notfall eingeliefert.
Auf dem Gang renne ich fast mit Fia zusammen.
»Oh, Cal, ich kann nicht, hab einen Notfall. Morgen?«
»Bin ich schon in Irland.«
»Ach, wie schade. Schöne Zeit wünsch ich dir.« Sie haucht mir einen warmen Kuss auf die Wange und hastet weiter.
Ich seufze auf und betrete das Zimmer von Mrs Doggerty.
»Guten Tag, Lieblingspatientin. Wie geht es Ihnen heute? Schon dreimal um den Park gewalkt?«

~*~

Am übernächsten Tag um die Mittagszeit befinde ich mich im Flughafengebäude des Shannon-Airports auf dem Weg zum Parkhaus.
Mir sind die schlaglöchrigen Straßen und nicht befestigte Wege rund um Derrybridge noch gut in Erinnerung, daher habe ich in weiser Voraussicht gleich einen Geländewagen gebucht.
Ich freue mich tatsächlich darauf, mal wieder in einem Landrover zu sitzen. Ronan, der mich voriges Jahr auf meinem Backpacker-Trip bei der letzten Etappe durch mein Heimatland in strömendem Regen aufgegabelt hatte und mir mittlerweile ein guter Freund geworden ist, fährt so einen. Seitdem denke ich darüber nach, meinen schnittigen Audi gegen etwas Bodenständigeres einzutauschen.
Gut gelaunt schiebe ich den Koffer durch den langen Gang. Ich habe nur das absolut Notwendigste dabei, den Anzug nebst weißem Hemd, Krawatte, feinen Schuhen für die Hochzeit von Ronan, Rasierzeug, Wäsche zum Wechseln, zwei Jeans, zwei Shirts, zwei Pullis. Und Regenschutz. Ganz wichtig. Ich hoffe, der Anzug wird nicht allzu sehr zerknittert. Wenn doch, hat Grace in ihrem B&B aller Wahrscheinlichkeit nach ein Bügeleisen.
Der Weg zum Parkhaus zieht sich. Umso erfreulicher, dass vor mir eine attraktive Frau geht, die mir mit dem Anblick ihres absolut knackigen Hinterns die Zeit versüßt. Ihre vollen brünetten Haare sind zu einem Zopf gebunden, der bei jedem Schritt mitschwingt. Ebenso wie ihre wohlgeformten Hüften.
Mein Blick heftet sich auf die zwei Pobacken, die hinter eng anliegenden stonewashed Jeans verborgen sind. Lange Beine, wohlgeformte Hüften und eine schmale Taille. Sie trägt ein einfaches, vanillefarbenes und eng anliegendes Shirt, das ihre schlanke Figur betont. Himmel, wie sie ihre Hüften gekonnt schwungvoll in Szene setzt. Wahrscheinlich unbewusst, denn sie merkt ja nicht, dass ich sie beobachte. Und doch wirkt es, als wüsste sie, dass hinter ihr ein Mann geht, der sie ausgesprochen attraktiv findet und sie am liebsten sofort in irgendeine Ecke ziehen würde. Allerdings sehe ich nur fünfzig Prozent der weiblichen Pracht, aber die sind eine Wucht!
Meine Neugier steigert sich von Meter zu Meter. Zu gerne würde ich sie ansprechen.
Jesus, hat die Frau einen Arsch! Einer, der geradezu lockt, ihr die engen Jeans über die Hüften nach unten zu ziehen, sodass ich beide Hände auf diese verführerischen Apfelbäckchen legen kann. Ich wäre kein Mann, wenn ich nicht zwangsläufig hinsehen und an eine spontane heiße Nummer denken müsste.
Welche Farbe wohl ihr Slip hat? Schwarz, garantiert. Nicht rot, das entspräche ihr nicht, wäre zu vulgär. Vielleicht trägt sie auch naturfarbene, hauchzarte Spitze? Ja, das würde zu ihr passen.
Was für ein Vollweib!
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich jemals allein vom rückseitigen Anblick einer Frau so hingerissen war. Diese Lady strahlt pure Wollust aus. Und das auf eine Weise, die förmlich danach schreit, anstößige Dinge mit ihr anzustellen. Eine Art sittenlose Anziehungskraft lullt mich ein. Gerade vor dem Hintergrund, dass mein letztes Erlebnis in dieser Beziehung schon eine Weile her ist. Fia wurde ja kurzfristig abberufen.
Plötzlich klingelt ein Handy und reißt mich abrupt aus meinem heißen Gedanken.
Das Vollweib bleibt stehen – ich ebenfalls. Sie zieht ein Handy aus der Handtasche, telefoniert, läuft dabei langsam weiter.
Ich muss unbedingt ihre Stimme hören!
So unauffällig wie möglich schließe ich zu ihr auf, bis ich nur noch zwei Armlängen von ihr entfernt bin, vielleicht ein bisschen weniger.
O ja, ihre Stimme passt gut zu ihr. Zumindest zu ihrer reizvollen Rückseite. Warm, angenehm weich, nicht zu hell, trotzdem fest. Es ist die Stimme eines Menschen, der etwas zu sagen hat und sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt.
Aber herrje, was interessiert mich schon eine Stimme? Ich will die Frau ja nicht heiraten.
Sie beendet das Gespräch, steckt das Handy weg und biegt ab. Schade eigentlich.
Moment. Haben wir vielleicht das gleiche Ziel?
Ich blicke nach oben und suche nach dem Wegweiser.

Emily

Beim Landeanflug auf den Flughafen Shannon sehe ich fasziniert aus dem Fenster, um die unterschiedlichsten Grüntöne auf mich wirken zu lassen, von denen meine Freundin und ehemalige Angestellte Aeryn gestern am Telefon so geschwärmt hat.
Milde Winter, viel Regen. So manche Brise kann sich in Sekunden zu einem Sturm entwickeln, der sich nach wenigen Minuten legt und der Sonne Platz macht. Lachend hat sie mir erzählt, dass der Ire bezüglich des Wetters einen guten Rat hat: Wenn du das Wetter gerade furchtbar findest, warte fünf Minuten …
Ach, ich vermisse Aeryn. Umso mehr freue ich mich, sie nach über einem Jahr wiederzusehen.
Nach der Landung bin ich ausgeruht und voller Vorfreude. Die meiste Zeit des Fluges habe ich geschlafen, denn ich muss bei meiner Ankunft fit sein. Etwa zweieinhalb Stunden mit dem Auto liegen vor mir. Im Linksverkehr!
Ich hole meinen Koffer am Baggage-Claim ab und strebe auf den Mietwagenschalter zu.
»Emily Jones?«, fragt mich die bebrillte Dame mit streng nach hinten gebundenen Haaren.
Ich bejahe und zeige ihr den Vertrag. Sogleich überreicht sie mir den Schlüssel sowie meine Unterlagen und erklärt mir den Weg zum Parkhaus.
»Halten Sie sich einfach an die Beschilderung. Ist gar nicht zu verfehlen. Ich wünsche Ihnen eine gute Fahrt, Ms Jones. Ihr Wagen hat übrigens eine hervorragende Klimaautomatik.«
»Danke schön. Brauche ich die hier überhaupt?«
»Natürlich! Die Hitze ist aktuell kaum auszuhalten.«
Ich bedanke mich höflich, frage nach, wie viel Grad es denn aktuell wären – und bekomme die Antwort: »Fast dreiundzwanzig!«
Nun, das muss dann wohl die irische Hitze sein. In Tampa kratzen aktuell nicht mal die nächtlichen Temperaturen an diese Marke.
Leicht amüsiert und herrlich ausgeruht schreite ich durch das Flughafengebäude und bin erleichtert, dass ich mich aufgrund der Wegbeschreibung und der Beschilderung mühelos orientieren kann. Allerdings ist der Weg unerwartet weit.
Ich rolle den Koffer gemütlich den fast unendlich langen Gang neben mir her und hoffe inständig, dass in meinem Kosmetikstudio alles läuft und meine neue Angestellte Jenna sich keine Patzer erlaubt. Nur ungern würde ich Kunden verlieren.
In meine Gedanken hinein klingelt das Handy.
Meine Mutter! Was will sie denn ausgerechnet jetzt? Sie weiß doch, dass ich unterwegs bin.
»Darling«, flötet sie in den Hörer. »Kommst du nach dem Urlaub mit deinem neuen Partner zum Essen? Wie heißt er noch gleich? Steve?«
»Sean. Und der ist Geschichte. Außerdem bin ich gerade in Irland angekommen.«
»Ach, ihr seid nicht mehr zusammen? Hat ja nicht lang gedauert. Was soll aus dir noch …«
»Mom!«
»Gut, gut, ich höre ja schon auf. Sag Aeryn liebe Grüße. Ach ja, wir werden die nächsten Tage auf La Reunion sein. Ein guter Freund hat uns auf seine Jacht eingeladen. Vielleicht hängen wir noch eine Woche Strandurlaub dran. Es soll dort auch einen hervorragenden Golfclub geben.«
»Ich hab dich auch lieb, Mom«, sage ich, wir lachen und wünschen uns gegenseitig einen schönen Urlaub. Dann beenden wir das Gespräch.
Die guten Freunde meiner Eltern sind hauptsächlich Geschäftsbeziehungen und ehemalige Kollegen meines Vaters. Man liebt das Jetset-Leben und den Luxus. Nicht mein Ding. Aber das ist eine Sache, die Mom nie verstehen wird. Wenn es nach ihr ginge, hätte ich ein Studium absolviert, kurz darauf einen vermögenden Mann geheiratet, Enkel in die Welt gesetzt und ansonsten die repräsentative Ehefrau gemimt.
Sean ist eigentlich ganz nett gewesen – für ein paar Wochen –, aber er hat fürchterlich geklammert, bereits nach einer Woche seine Zahnbürste ausgepackt und über künftige Kinder referiert. Falscher Zeitpunkt, falscher Mann. Außerdem hatte er es offenbar eilig, ein Dad zu werden.
Nun, ich habe ihn nach Hause geschickt. Mit Zahnbürste und ohne Rückfahrkarte. Diese Y-Chromosom-Träger können mir so was von gestohlen bleiben. Und »ganz nett« reicht eben auch nicht für eine Beziehung.
Mit Männern und Kindern ist das so eine Sache …
Unerwartet endet der breite Gang und ich muss mich für links oder rechts entscheiden. Ich blicke hoch zum Schild, das mir den Weg zum Parkhaus weist, und freue mich, gleich losfahren zu können.
Zügig laufe ich weiter – und schlage dumpf mit der Wange gegen eine Glasscheibe.
»Au! Verdammt, was …?« Fluchend stolpere ich zurück, natürlich über meinen Koffer. Der fällt um. Was zur Hölle … ?! Beim nächsten Wimpernschlag verliere ich die Balance.
Fuck! Normalerweise ist das nicht mein Wortschatz, aber jetzt schon. Fuck!
Verzweifelt bemüht, mein Gleichgewicht zu halten, rudere ich mit den Armen, finde eine Säule und stütze mich erleichtert daran ab.
Säule? Da ist doch vorhin keine gewesen, oder? Außerdem ist sie beweglich, hat Hände und kann reden.
»Vorsicht, nicht, dass Sie fallen!«, sagt ein Mann mit warmer Stimme und amüsiertem Unterton. »Alles okay?«
Er hält mich an einer Hand. Immerhin hat er mich vor Schlimmerem bewahrt. Trotzdem … Wie peinlich!
Ruckartig ziehe ich meine Hand zurück.
Vor mir steht ein irre attraktiver Mann! Groß, breitschultrig, dunkelhaarig. Typ: Manager. Und der sieht mich ziemlich intensiv, aber auch belustigt an.
Rettung hin oder her, solche Kerle habe ich gefressen. Ich bedanke mich trotzdem.
»Ja. Alles in Ordnung. Danke«, sage ich reserviert und stelle meinen Koffer wieder auf die Rollen. »Ich bin gerade auf dem Weg ins Parkhaus und …«
Obwohl der Kerl beim ersten Blick auf mich gewirkt hat wie ein arroganter Schnösel, scheint er irgendwie doch keiner zu sein. Trotz des exklusiven Rollkoffers, der Anzughose, des weißen Hemds und der teuren Uhr am Handgelenk macht er nach zweiter Betrachtung eher einen markanten und raubeinigen Eindruck auf mich. Vielleicht liegt das an dem Dreitagebart? Möglich. Und ich könnte schwören, unter dem Hemd versteckt sich ein Body, von dem Frauen träumen.
Himmel, was tue ich da eigentlich? Ich merke, wie ich unwillkürlich den Rücken durchdrücke und meinen Busen hebe.
Lass das, Em!
»… und Sie wollten einfach durch die Glastür laufen. Haben Sie eventuell Ihre Brille vergessen?«
Spinnt der? Macho, ganz klar. Und auch noch einer ohne Manieren. Hält der sich für was Besonderes?
»Kann es sein, dass Sie unangemessene Fragen stellen? Kennen wir uns schon so gut? Ich denke nicht!« Angriffslustig stemme ich die Faust in die Hüfte. »Im Übrigen besitze ich lediglich eine Sonnenbrille. Nur zur Information. Und ich vermute, Sie kennen das, wenn man in Gedanken ist. Da hat man gerade die Gucci-Handtasche entstaubt, das Chevrolet Corvette für den Spaß am American Way of Drive steht gesattelt in der Garage, die Hausangestellte poliert das Silber und man läuft einen unendlichen Gang Richtung Parkhaus entlang, als einem die Frage aller Fragen durch den Kopf jagt: Weißwein zum Kaviar oder doch Champagner?«
Zugegeben, der Geruch von chauvinistischer Arroganz lässt mich zuweilen etwas überreagieren. Aber hey, meine Wange ist immer noch ganz warm von der bescheuerten Glastür. Da brauche ich garantiert nicht noch einen frauenfeindlichen Snob mit platten Sprüchen.
»Offenbar hat der Zusammenstoß mit der Glastür größeren Schaden hinterlassen, als auf den ersten Blick ersichtlich war. Das tut mir ausgesprochen leid. Ach ja, mein Name ist Callahan O’Keefe. Freut mich nicht, Sie kennengelernt zu haben.«
»Mich ebenfalls nicht. Und mein Name geht Sie einen Stapel gar nichts an.«
»Wunderbar. Dann wäre das ja geklärt. Zu meiner Verteidigung … Man sieht nun mal nicht jeden Tag Frauen, die gedankenverloren durch Glastüren rennen wollen. Wenn Sie mich jetzt bitte vorbeilassen würden? Ich muss zu meinem Mietwagen.«
Seine überhebliche Antwort macht mich sprachlos. Mich! Sprachlos! Doch das währt zum Glück nur kurz.
»Und zu meiner Verteidigung: Ich besitze, wie gesagt, weder eine Brille noch bin ich gerannt. Schönen Tag noch!«
Himmel … Wieso verteidige ich mich eigentlich? Und können die das verdammte Glas nicht irgendwie markieren? Überall Schilder, nur da nicht, wo es nötig wäre!
Schwungvoll mache ich auf dem Absatz kehrt und setze mich in Bewegung. Mist. Falsche Richtung.
»Wollten Sie nicht ins Parkhaus?«
Der nervt!
»Habs mir anders überlegt!«, platzt es aus mir heraus und ich gehe weiter in das Flughafengebäude hinein. Ist ja so verkehrt nicht. Hauptsache, ich bringe ausreichend Abstand zwischen uns.
Ab sofort freue ich mich auf Nächte ohne Klimaanlage, mit weit geöffneten Fenstern und einer frischen Brise. Etwas, was in Tampa nur in den Wintermonaten möglich ist, wenn die Temperatur an wenigen Tagen in der Nacht fallen und sich der Zehn-Grad-Marke nähern.
Ich werfe einen Blick über die Schulter und sehe, wie der Typ mit federnden Schritten und voller verhaltener Kraft ins Parkhaus geht und um die Ecke biegt.
Na bitte, geht doch! Endlich ist der Spinner außer Sichtweite!

Dieser Roman ist auch als Hörbuch erhältlich.

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Ich hoffe, der Anfang des Romans hat dir gefallen, und du bist jetzt neugierig auf die Irish-Dates-Reihe

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