Pubertierische Großbaustelle

Kolumnen und Romane von Jo Berger

Mütter und Töchter und andere Katastrophen

Mütter und Töchter und andere Katastrophen
shutterstock(c)Boris Ryaposov

Preisfrage an Mütter von Töchtern: Gehöre nur ich zu den Frauen, die hin und wieder und ganz spontan für einen bis einhundert Tage eine Pause bräuchten – Wellness, Hotel, ausschlafen, Nichts tun? Oder einfach mal den Nachwuchs für eine Woche an die Garderobe hängen möchten?

Ihr kennt das, oder?

Ihr flötet ein fröhliches „Guten Morgen“ in Richtung eures grazilen Nachwuchses und erhaltet ein launisches, kaum hörbares Brummen. In Spitzenzeiten wird das Gemaule mit unzusammenhängenden Wörtern wie „Kein Bock“, „Lass mich“ und „Gleich“ untermalt. Gerne auch mit anschließendem Treppenhochstapfen und Türknallen. Manchmal geht es auch leise zu. In dem Fall beschränkt sich das über alle Maßen geforderte Kind auf ein vielsagendes Augenrollen, gelegentlich begleitet von einem tiefen Seufzer.

Merke: Teenager oder frisch am Anfang der Pubertät stehende Kinder sind vor dem ersten frühmorgendlichen Akt der Nahrungsaufnahme nicht anzusprechen. Ich habe mir angewöhnt, der schattengleichen Spezies an unserem Esstisch ein Nutellabrot hinzustellen und zu schweigen, bis die Schokolade das Belohnungszentrum im Hirn meiner Tochter erreicht hat.

Dann wage ich, sie anzusprechen.

Aber nur, wenn ich selbst vorher mindestens einen Kaffee hatte. Mit Zucker. Dazu ein Nutellabrot. Wir Mütter müssen unser Belohnungszentrum ja schließlich auch bei Laune halten.

Mittags geht es weiter. Dem Anspruch der gesunden Ernährung wird die Fahne hochgehalten, und eine Mahlzeit mit allen Spurenelementen, essentiellen Fettsäuren und von jeder Farbe etwas dabei zubereitet.

Und was macht unser geliebtes Wesen?

Es verlangt Unrat! Nudeln, Pizza, Burger. Oder in Apfelsaft getränkte Wattebällchen, weil die Freundin das auch gerade macht und sie nicht fett werden will. Ich seufze … Okay, Pommes sind gelb, Ketchup ist rot und Gummibärchen gibt es auch in hellgrün. Fast alle von der Deutschen Ernährungsgesellschaft empfohlene Farben sind somit dabei. Passt.

Töchtermütter suchen irgendwann ihre Lippenstifte. Meistens abends und in der Regel die teuren. Die finden sie dann im günstigsten Fall am nächsten Vormittag zwischen dem Nagellack der Tochter wieder. Manchmal auch in Jeanstaschen – nach der Wäsche. Natürlich ist der Lippenstift eigenständig dort hingeschlichen. Genauso wie das nagelneue Top, das wir lediglich einmal kurz nach dem Kauf und noch einmal nach dem Bügeln bewundert, aber noch nicht getragen haben. Mit Sicherheit befindet es sich in angenehm zerknüllter Gesellschaft in den Untiefen einer Teenagerschublade. Suchen zwecklos. Vielleicht hat sie es auch der Freundin ausgeliehen und die hat es widerum … egal. Wie auch immer, das Teil passt sowieso viel besser zum erblühenden Teenager, sagt der erblühende Teenager, weil es an der Mutter peinlich aussieht. Der Lippenstift im Übrigen auch.

Fakt ist:

Das Gehirn der Heranwachsenden ist „wegen Umbau geschlossen“

Die Schubladen sowie das ganze Kinderzimmer haben den Begriff „Bermudadreieck“ überhaupt erst geprägt und das Wichtigste ist: Deponiert in allen Zimmern mindestens zwei Haarbürsten, drei Gummibänder und einen Lippenstift (die teuren bitte). Einen Abdeckstift und ein zweites Ladegerät für das Smartphone dazulegen kann auch nicht schaden.

Noch wichtiger: Kauft alles doppelt, nein, dreifach, was euch selbst gefällt, und deponiert es in eurem Kleiderschrank, im Bad, im Schuhschrank. So habt ihr eine Chance.
Trotzdem lieben wir unsere Kinder über alles! Und so soll es auch sein.

Eure Jo Berger

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