Jetzt im Kindle Deal – Himmelreich mit Herzklopfen – Band 1

Kindle Deal vom 03. – 09. November 2017Kindle Deal reduziert Himmelreich

Mit Bildklick direkt zum Amazon Kindle Deal der Woche oder zuerst mehr erfahren

„Man weiß ja nie, warum man jemanden liebt, man tut es oder nicht. Im Prinzip bestimmt die Suche nach Liebe das Dasein, oder? Und das Warten. Wir warten auf den Seelenpartner, den Deckel zum Topf, auf den Bus, auf besseres Wetter, den richtigen Moment. Ich warte nicht mehr, ich packe das Leben jetzt beim Schopf.“ (Fee)

Hinweis: Zum Kindle Deal sind die nachfolgenden zwei Bände ebenfalls reduziert!

Leseprobe

Ich bin so dämlich wie zehn Meter Feldweg! Was will ich hier? Schnapsidee! Eindeutig!
Ich gehe vom Gas und tuckere durch eine Einöde, die selbst nach einer Stunde Fahrt noch einödig ist. Und jetzt beginnt es auch noch zu regnen. Nein, das trifft es nicht ganz, schütten passt besser.
Das Einzige, was ich noch mehr hasse als Autofahren bei Starkregen, ist Autofahren in unbekannten Gegenden ohne funktionierendes Navigationsgerät. In einem Moment der Verzweiflung schlage ich mit der Hand auf das Lenkrad und ärgere mich über diese total hirnrissige Entscheidung, aufs Land zu ziehen. Olaf hustet kurz, wird von alleine langsamer, hustet erneut und fährt schließlich, ohne zu mucken, weiter.
»War nicht so gemeint«, sage ich und streichle kurz über den Schalthebel. So ein Auto ist ja auch nur ein Mensch. Ich erweitere die Liste um »Am Ende der Zivilisation mit einer Nuckelpinne unterwegs sein, die beim bloßen Hinsehen mit den Stoßdämpfern ächzt«. Doch es hat seinen Grund, warum ich eine altersschwache Blechbüchse fahre: Weil ich sie in Frankfurt so gut wie nie gebraucht habe, sie mir sowieso niemand abkaufen würde und ich es nicht übers Herz bringe, Olaf verschrotten zu lassen. Außerdem gibt es nicht mal eine Zugverbindung nach Himmelreich.
»Halloho … Es ist Juli! Also Sommer! Sommer!«, brülle ich das Armaturenbrett an. »Da ist es warm und sonnig. Sonnig, verdammt!«
Seit über vier Stunden bin ich auf der Straße, habe erst einen Kaffee getrunken und ein Käsebrötchen gegessen. Ohne den Blick von der Straße zu wenden, wühle ich mit der rechten Hand in der Handtasche auf dem Beifahrersitz und ziehe einen Apfel hervor. Schokolade wäre mir allerdings lieber. Lecithin soll ja beruhigend wirken. Da ich an Schokolade leider nicht gedacht habe, beiße ich hungrig in den kleinen Apfel. Uh, ist der sauer.
Tapfer kauend und mit den Nerven fast am Ende, sehe ich auf die Uhr an der Konsole. Na toll, jetzt komme ich auch noch zu spät zum Gespräch. Ich fasse es nicht! Und das, nachdem ich extra eine halbe Stunde früher losgefahren bin! Ohne meinen zweiten Kaffee! Koffeinmangel tut mir fraglos nicht gut! Nach vier Bissen ist der Apfel Geschichte. Ich öffne das Fenster einen Spaltbreit, werfe ihn hinaus und schließe es schnell wieder, damit es nicht auch noch reinregnet. Dann kneife ich die Augen zusammen und beuge mich nach vorne.
Allerdings hätte ich genauso gut versuchen können, meinen Kopf in einen Bottich mit Wasser zu hängen und dabei ein Buch zu lesen. Die altersschwachen Scheibenwischer bemühen sich zwar hektisch, gegen den Platzregen anzukommen, trotzdem kann ich nur vage Umrisse dieser nicht enden wollenden Straße erkennen.
Plötzlich schüttelt es mich zweimal kurz hintereinander durch. Schlaglöcher. Klar. Ich presse die Lippen aufeinander und starre durch den Wasserfall auf der Windschutzscheibe.
So kann ich nicht weiterfahren! Unmöglich.
Nervös blicke ich durch die Seitenscheiben nach draußen und suche nach einer Parkbucht oder etwas Ähnlichem, aber natürlich gibt es keine Parkbuchten in dieser Rübenfeldlandschaft, nur Abzweige auf vermatschte Feldwege und kilometerlange Zäune, hinter denen Kühe stehen. Was erwarte ich? Vielleicht auch noch eine Tankstelle?
Langsam schleiche ich weiter und bin erleichtert, als der Regen etwas nachlässt. Ich atme durch und lehne mich zurück.
»Geht doch. Jetzt noch ein bisschen Sonne wäre toll«, sage ich und checke die Uhrzeit. Laut Plan hätte ich vor zehn Minuten in Himmelreich ankommen sollen. Ohne die Augen von der Straße zu nehmen, tippe ich auf das Handy an der Halterung vor mir und werfe einen flüchtigen Blick darauf. Immer noch kein Netz. Ob ich mich verfahren habe?
Als ob es darauf gewartet hätte, klingelt es. Nanu? Wieder Empfang? Offenbar scheint es selbst in dieser Pampa einen Gott zu geben, auch wenn er mir bis eben den Stinkefinger gezeigt hat. Meine Mutter. Wie nett, dass sie sich herablässt, mich anzurufen. Ich nehme das Gespräch an und schalte auf Lautsprecher.
»Hallo, Mama«, begrüße ich sie und stelle fest, dass meine Stimme genauso klingt, wie ich mich fühle. Ich kann mir denken, warum sie anruft, verkneife mir aber jeglichen Kommentar.
»Ach, sind wir etwa genervt?«, höre ich sie pikiert sagen.
»Nein … Ja. Das heißt, ob du es bist, weiß ich nicht, ich für meinen Teil bin es definitiv.« Ob sie meine Mail gelesen hat? Ich überlege, an welchem Ort der Welt sich meine Eltern zurzeit befinden. Unnötig, denn schätzungsweise werde ich es gleich erfahren.
»Wir sind gerade in Dubai angekommen, Liebes. Du machst dir keine Vorstellung, wie herrlich es hier ist. Gut, ein bisschen heiß, keine Wolke am Himmel, aber der Pool ist eine Offenbarung! Er durchzieht die komplette Anlage und …«
»Mama, hier ist gerade richtiges Mistwetter, und ich sitze im Auto. Hast du denn meine Mail gelesen?«
»Kind, deine Wortwahl … Welche Mail?«
Wieso war mir das klar? Ich seufze.
»Du hast sie also nicht gelesen. Auch gut. Aber hol das bitte nach, ja? Es ist wichtig. Und was gibt es bei dir Neues?« Seit mein Vater mit Mitte fünfzig seinen Vorruhestand angetreten hat, ziehen es meine Eltern vor, um die Welt zu jetten und nur zu besonderen Gelegenheiten in ihre Frankfurter Villa zurückzukehren. Wie zum Beispiel zum Geburtstag des Firmennachfolgers vor drei Monaten, da mein Vater ja immer noch im Aufsichtsrat sitzt. Bei meinem vorletzten Geburtstag hat mir meine Mutter telefonisch von den Bahamas gratuliert. Bei meinem letzten Geburtstag vor ein paar Tagen hat sie das wohl über einem oder zwei Cocktails auf irgendeiner Jacht vergessen. Seit meinem ersten Schrei in dieser Welt habe ich das Gefühl, meinen Eltern eher lästig zu sein. Nun, die vergangenen Jahre habe ich mich bemüht, dem gerecht zu werden.
»Ich möchte dir nachträglich gratulieren, liebste Felicia. Herzlichen Glückwunsch zum siebenundzwanzigsten Wiegenfest! Ich wünsche dir …«
»Achtundzwanzig«, sage ich unwirsch. »Mama! Du liest meine Nachrichten nicht, vergisst meinen Geburtstag, und jetzt weißt du nicht mal mehr, wie alt ich bin. Frag mich mal, wie eine Tochter das wohl findet. An der Stelle kannst du dir die geheuchelten Wünsche gerne dorthin stecken, wo kein Licht scheint.«
»Felicia Johanna Kaiser! So eine hübsche junge Frau und dann so eine Art zu reden. Deine Ausdrucksweise ist nicht akzeptabel! Außerdem weißt du genau, dass wir beschäftigt sind.«
»Das seid ihr, seit ich denken kann. Ach, womit eigentlich? Mit Sektempfang auf irgendeiner Jacht?« Ich höre sie tief durchatmen, dann redet sie wohlwollender weiter.
»Ich überhöre das besser, liebe Felicia, denn ich wollte dir noch etwas anderes sagen. Obwohl dein Vater und ich beim besten Willen nicht nachvollziehen können, warum du deine Stellung bei Dr. Schröder gekündigt hast, haben wir unsere Beziehung genutzt und dir eine neue Beschäftigung vermittelt. Allerdings in Wiesbaden, du müsstest mit der Bahn fahren oder dir einen zuverlässigen Wagen besorgen. Wir …«
»Ich habe ein Auto«, unterbreche ich sie unwirsch.
»Du meinst, du hast ein schrottreifes Gefährt, das den Namen Automobil nicht verdient. Zurück zum Wesentlichen, Felicia. Ab September steht es dir offen, bei Jerome anzufangen. Seine Sekretärin erwartet ein Kind.«
Spontan springt mir die Frage in den Kopf, von wem, lasse es aber sein.
»Bei dem alten versoffenen Golfkumpan von Papa, der jedem Rock hinterhersteigt? Da muss sich schon die Wüste Gobi in eine flächendeckende Oase verwandeln. Nie im Leben! Im Übrigen weißt du genau, dass ich keine Lust mehr auf Aktenberge habe. Oma hat immer von einem Blumenladen geträumt, und ich …«
»Jetzt komm mir nicht mit meiner Mutter!«
»Du liebe Zeit … Also, wie gesagt, vergiss das mit Jerome. Außerdem befinde ich mich gerade weit weg von Frankfurt und meinem bisherigen Leben, falls du es noch nicht mitbekommen hast. Vielleicht solltest du mal deine Mailbox abhören oder deine Mails lesen. Nein! Ich pfeife auf eure Beziehungen und eure High Society.«
»Jedes andere Kind wäre glücklich, in die Elite hineingeboren zu werden. Doch du bist nur undankbar. Kein Wunder, dass Ethan davon abgesehen hat, dich zur Frau zu nehmen.«
Ich schnappe nach Luft. Das hat gesessen.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.